SuckerPunchDie 50er Jahre. Babydoll wird nach dem Tode ihrer Mutter von ihrem bösen Stiefvater in eine Irrenanstalt gesteckt. Voller Horror vor der bevorstehenden Lobotomie beginnt Babydoll, sich eine alternative Realität zusammenzubasteln. In dieser Welt plant sie ihre Flucht gemeinsam mit anderen Mitstreiterinnen und muss dabei gefährliche Abenteuer bestehen, um an fünf wichtige Objekte zu gelangen, die für ihre Flucht unabdingbar sind...


Sailor Moon vs. Teenage Lobotomy. Oder so. Ach was wird da gerade über diesen Film diskutiert, die einen meinen "sexistisch/frauenfeindlich", die anderen halten es für einen wichtigen Beitrag zum Zeitgeist, die Filmbewertungsstelle vergibt ihm gar das Prädikat "wertvoll" (was bei dieser Behörde leider in den seltensten Fällen mit filmischer Qualität zu tun hat) und wie an anderer Stelle gelesen, findet sich sogar das Urteil "männerfeindlich". Dabei ist "Sucker Punch" gar nicht interessant genug, um sich darüber so einen Kopf zu machen.
Ich mag Zack Synders Filme eigentlich, ob dessen megagelungene Neuinterpretation von Romero's "Dawn of the Dead", ob "300" oder "Watchmen", im Hinblick auf diese Filme waren meine Erwartungen an "Sucker Punch" auch deutlich höher als beispielsweise an einen Actionfilm von jemandem wie Simon West oder so.Was Snyder ohne Frage gelungen ist, ist ein überlanger, durch und durch ästhetischer Videoclip, der mit einigen visuell wirklich hinreißenden Momenten aufwarten kann. Dabei bedient er sich unzähligen Zitaten aus der jüngeren Filmgeschichte, und Figuren und Look sind ohne Frage den Manga/Anime Welten entnommen. Eigenständig ist hier nicht so sehr Snyders Filmidee als eher der Versuch, einen US Manga auf die Leinwände loszulassen.
Kann man ihm Sexismus vorwerfen? Snyder nimmt lediglich das Frauenbild, welches über die letzten zwei Jahrzehnte in unserer Popkultur - maßgeblich durch die kreativen Männer der Branche - geprägt wurde und zieht es so dermaßen over the top, dass es eben völlig comichaft wirkt. Und wenn man es als "unangenehm" empfindet, Mädchen im Schulmädchenlook oder engen Corsagen gegen eine feindliche, von Männern dominierte Umwelt kämpfen zu sehen, der sollte bitte auch von Lack-/Leder Heldinnen wie Lara Croft, Selene ("Underworld"), Catwoman, Wonder Woman, Electra und eben auch Sailor Moon Abstand nehmen. Oder man denke nur an Michael Bays Frauenbild in "Transformers" mit einer aufgespritzten und belipglossten Megan Fox, die permanent in die Kamera schaute wie eine immer willige aufblasbare Plastikpuppe. Oder das Regisseurteam Mark Neveldine/Brian Taylor, welches insbesondere in "Crank2" Frauen als übelste Schlampen dargestellt haben.
Die "neue Generation von weiblichen (Action-)Helden" wie sie so gerne propagiert wird, ist eben durch und durch sexualisiert. Und da braucht man gar nicht nur ins Manga/Anime Genre oder bei Comicverfilmungen zu schauen, mich hat Heldin Babydoll eher an die damals erst 16jährige Britney Spears in ihrem ersten Musikvideo erinnert. Gab auch keinen Aufschrei damals, oder man hat ihn mittlerweile vergessen? Synders Problem ist, dass er dieses Frauenbild zwar völlig überzieht, ohne aber inhaltlich darauf einzugehen, mit einer Prise grimmigem Humor, einem satirischen Biss hätte er tatsächlich einen gelungeneren Beitrag zum Zeitgeist drehen können, leider kommen seine Heldinnen genauso wie ihre Feinde total platt und lächerlich daher. Die Figuren sind extrem eindimensional und im Falle von Hauptcharakter Babydoll von Emily Browning auch noch schlecht gespielt, die weder als Opfer noch als Kämpferin überzeugen kann. Die einzige Figur, die in "Sucker Punch" als Mensch rüberkommt, ist die von Abby Cornish gespielte Sweat Pea.
Das größte Manko dieses Films liegt jedoch nicht in der Darstellung der Frauen, ihrer männlichen Gegner oder der dünnen Story von Snyder, sondern darin, dass sich der visuelle Reiz im Verlaufe der Handlung abnutzt, denn dadurch offenbaren sich die anderen Schwächen erst. Durch die letzte halbe Stunde habe ich mich heute in der Mittagsvorstellung mehr oder minder durchgegähnt. Ich fands einfach unspannend und uninteressant.
Der Soundtrack ist hier recht wichtig, zumal wie oben erwähnt längere Sequenzen wie Videoclips inszeniert sind, die Songauswahl ist okay, wobei die Vergewaltigung vom The Pixies' Klassiker "Where is your mind" echt weh tut.
Und männerfeindlich? Bitte, wie jämmerlich ist dieser Vorwurf? Die armen Männer - werden hier ausnahmslos als vornehmlich sexuelle Bedrohung dargestellt (wobei das nicht ganz stimmt, Babydoll hat einen männlichen "Schutzengel"), das geht natürlich an die sensible Männerseele. Ich wette, die meisten Kerle gucken sich auch Pornos nicht zum Lustgewinn an, sondern aus rein masochistischen Gründen der Selbstgeißelung *lach*.

Fazit: Ein viel zu unwichtiger Film, um darin irgendwelche Bedeutungen hinein zu projizieren. Schöne Idee ist das Traum-im-Traum-Szenario, ansonsten ist die Handlung recht dünn und dient lediglich mehr den Showeffekten als umgekehrt. Schauspielerisch keine große Kunst und dazu noch mit etlichen Längen versehen - und leider völlig humorlos. Nach "Sucker Punch" wird schon in wenigen Monaten keiner mehr schreien. Bin hin- und hergerissen, ob ich ihn noch als Mittelmaß durchgehen lassen oder in meiner Wertung schon drunter liege. Ich glaube, mit 5 Punkten ist der Film wirklich noch gut bedient.

Wertung5Sucker Punch (USA 2011) - gesehen in der engl. OV
R: Zack Snyder; B: Zack Snyder, Steve Shibuya
K: Larry Fong; M: Tyler Bates, Marius De Vries
D: Emily Browing, Abbie Cornish, Carla Gugino, Vanessa Hudgens, Jena Malone, Jamie Chung, Oscar Isaac, Scott Glenn, Gerard Plunkett, Jon Hamm (wie bedauerlich!), etc.
Genre: Fantasy, Action
FSK: ab 16 J.
Länge: 110 Min.