super8Im Sommer 1979 wird eine Gruppe von Freunden in einer kleinen Stadt in Ohio Zeuge einer katastrophalen Zugkollision, während sie einen Super 8-Film drehen. Schon an Ort und Stelle deutet alles darauf hin, dass es sich nicht um einen bloßen Unfall handelt. Kurz darauf verschwinden in der Stadt einige Bewohner spurlos, Hunde flüchten und finden sich in entfernten Ortschaften wieder an, der örtliche Deputy des ebenfalls verschwundenen Sheriffs versucht, Licht in das Dunkel zu bringen, scheitert jedoch an dem Air Force Kommandanten Nelec. Sein Sohn Joe und dessen Freunde jedoch lassen nicht locker und ermitteln auf eigene Faust ...


Eine volle Woche ist es jetzt her, dass ich bei der nett organisierten Filmstarts.de-Preview Party von "Super 8" war, aber bisher fehlten mir Zeit und Muße, eine Review zu schreiben. Vielleicht auch, weil der Film mich so wohlig zufrieden zurückließ, nichts Negatives aber auch keine totale Euphorie, so dass man das Gefühl hat, sofort was schreiben zu müssen.
Abrams bemüht sich ja immer sehr darum, dass vor Kinostart so wenig wie möglich über seine Filme bekannt wird. Als der erste Teaser mit dem gestürzten Zugcontainer zu sehen war, dachte man an Monster und Sci-Fi, hatte aber die Kinder nicht wirklich aufm Schirm. Nun, mittlerweile ist die Story ja bekannt, werde mich trotzdem bemühen, hier nicht allzusehr zu spoilern, aber ein bisschen (Geheimnis-)Schwund ist ja immer, sonst lässt sich ein Film auch schwer beschreiben und bewerten.
Generell kann man sich bei "Super 8" über die gelungene Mischung aus - im besten Sinne - altmodischen Jugendabenteuerfilm, hochmodernen Effekten und einer wirklich spannenden Inszenierung freuen. Insbesondere diejenigen unter uns, die noch mit Filmen wie "Die Goonies", "Stand by Me" und meinetwegen auch "E.T." (wobei ich den ja immer noch doof finde) aufgewachsen sind, um nur einige zu nennen und die sich durch Bücher wie "Die Fünf Freunde" oder "Geheimnis um ..." gelesen haben, kommen voll auf ihre Kosten. Dazu ist es Abrams und seinem Team gelungen, die im Sommer 1979 spielende Geschichte sehr authentisch auf die Leinwand zu bringen, man fühlt sich tatsächlich in die Zeit seiner Kindheit (also in meinem Fall, 1979 war ich 6) zurückversetzt.
Die Story an sich ist jetzt tatsächlich weniger spektakulär als man aufgrund der Teaser/Trailer glauben möchte - böse Air Force, ein "Ungeheuer" (dem man auch irgendwie nicht böse sein kann), Kinder und Kleinstadtsheriff als die Guten, vermengt mit Verlust der Mutter sowie Väter-Kinder Konflikte und am Ende eine leider furchtbar dicke Schicht Pathos, die mir persönlich etwas quer im Hals stecken blieb.
Das große Plus des Films sind neben den irren Special Effects (bei der Zug-Entgleisung fühlt man die Waggons förmlich auf sich zufliegen) vor allem die Kinder. Es ist natürlich hilfreich, dass man sich für Figuren entschieden hat, die so genau an der Schwelle zur Pubertät stehen - da blitzen zwar noch die kugelrunden Kinderaugen, aber erste Liebe, ein wenig Rebellion gegen die Eltern und angehender Heldenruhm spielen halt schon eine Rolle. Und das ist in jedem Fall niedlich. Dabei greift man halt auch voll in die Klischeekiste: der kleine Joe, der noch unter dem Verlust seiner Mutter leidet und sich mit dem nun alleinerziehenden Vater Kyle noch nicht eingespielt hat, ein schmächtiger Junge, der seinem besten Kumpel und Möchtegern-Spielberg Charles (richtig gut gespielt von Riley Griffiths) als gekonnter Maskenbildner zur Verfügung steht, mutiert im Verlaufe der Handlung zum dynamischen, hochmotivierten Retter. Charles, etwas dicklich und familiär unterdrückt als "mittleres Kind" inmitten von jüngeren Zwillingen und einer älteren Schwester, zeigt großes Talent hinter der Kamera und hat hohe Ziele. Er möchte am liebsten gar nichts über die Hintergründe des Zugunglücks wissen, aber wenns hart auf hart kommt, kann man auf ihn zählen. Dann Joes Love Interest Alice (erneut berückend und ätherisch dargestellt von Elle Fanning), ebenfalls mutterlos und mit einem Vater gesegnet, der eher zur unteren sozialen Schicht zählt. Als komischer Sidekick gesellt sich Cary dazu. Wenn jemand mal Stephen Kings "The Stand (Das letzte Gefecht)" gelesen hat, dem ist "Mülleimermann" bestimmt ein Begriff. Cary sorgt für die Special Effects bei den Filmaufnahmen von Charles und liebt es, Dinge anzuzünden. Der kleine Ryan Lee spielt den Jungen mit leichtem Hang zum Psychopathen so, als hätte er im Vorfeld die Arbeit von Steve Buscemi studiert, das hat schon was. Die anderen Kinder im Kreise dienen mehr oder minder als Stichwortgeber. Und auch die Erwachsenen - Joes Vater Kyle, der Air Force Captain Nelec oder Alices Vater Louis bilden quasi nur den Kleber, der alles zusammenhält und für die Motivationen der kindlichen Handlungen sorgt.
Schön ist auch, dass die Bengels und das Mädchen nicht als "Superhelden" in Szene gesetzt werden, sondern die sind auch überfordert mit den Ereignissen und haben Angst, rennen schreiend durch die Gegend, ich mag das, wenn Kinder noch als solche gezeigt werden und nicht immer Herr der Dinge sind. Da fiebert man dann auch ganz anders mit.
Was Negatives gab es auch: nämlich die Musik. Die fühlte sich an, wie aus allen frühen Spielberg-Filmen zusammengeklaut, so ne Spielberg-Hommage ist ja was Nettes, aber man kanns auch übertreiben.

Fazit: Ein schöner und spannender Abenteuerfilm für Jugendliche und Erwachsene mit einem süßen Kindercast und tollen Effekten, in dem echte Freundschaft deutlich mehr im Fokus steht als das Sci-Fi Thema an sich. Und von Horror kann gar keine Rede sein. Ah, nur das Ende, da hätte man einfach drei Minuten früher Schluss machen müssen, das fühlte sich furchtbar schwülstig an.

Super 8 (USA 2011) - gesehen in der dt. Synchronfassung
R+B: J.J.Abrams
K: Larry Fong; M: Michael Giacchino
D: Joel Courtney, Kyle Chandler, Elle Fanning, Riley Griffiths, Ryan Lee, Gabriel Basso, Zach Mills, Ron Eldard, Noah Emmerich, etc.
Genre: Sci-Fi, Abenteuer, Familie
FSK: ab 12 J.
Länge: 112 Min.

8v10
Eine zweite Meinung gibts bei Filmstarts.de