ziemlichbestefreundeDer vorbestrafte Driss bewirbt sich als Pfleger beim querschnittsgelähmten reichen Philippe - eigentlich nur, um die nötige Unterschrift für die Arbeitslosenhilfe zu erhalten. Er ahnt nicht, dass er bei Philippe bleibenden Eindruck hinterlassen hat, der ihm nur einen Tag später gegen jede Vernunft die Stelle anbietet. Driss muss zunächst lernen, mit den täglichen Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten seines neuen Pflegerdaseins umzugehen. Mit seiner unkomplizierten Art gewinnt er Philippes Sympathie und gibt dem Aristokraten ein hohes Maß an Lebensfreude zurück.


Gestern ging es in die Preview des französischen Kinohits "Ziemlich beste Freunde", der im Heimatland Frankreich bisher um die 16 Mio Besucher in die Kinos gelockt hat und nun auch in Deutschland seinen Siegeszug antreten wird. Denn eines ist gewiss: dem Charme und der unbändigen Lebensfreude, die das Regisseurteam Olivier Nakache und Eric Toledano auf die Leinwand gezaubert hat, wird man sich auch hierzulande nur schwer entziehen können.
Basierend auf einer wahren Geschichte (die echten Hauptfiguren sehen wir auch im Abspann) wird die Entstehung einer wunderbaren Freundschaft erzählt.
Der junge Driss, ein senegalesisches Einwandererkind, hat gerade eine sechsmonatige Haftstrafe hinter sich und dümpelt so vor sich hin. Um die notwendige Unterschrift für den Bezug von Arbeitslosengeld zu bekommen, stellt er sich - neben anderen ausgebildeten Pflegern - bei dem reichen, ab Hals abwärts gelähmten Philippe vor und macht auch keinen Hehl daraus, dass er kein Interesse an dem Job hat, sondern nur die Unterschrift braucht, die man ihm für den nächsten Tag verspricht. Bei seinem Abgang stibitzt er noch eines der Fabergé Eier von Philippe. Respekt? Mitleid? Fehlanzeige bei Driss. Er ahnt nicht, dass genau diese fehlenden Eigenschaften bei Philippe den Wunsch auslösen, ausgerechnet ihn als Pfleger einzustellen. Das Angebot folgt am nächsten Tag, und Driss lässt sich - nachdem er erstmal sein Zimmer nebst Bad im großen Haus von Philippe in Augenschein genommen hat - darauf ein. Obwohl er überhaupt nicht für diesen Job ausgebildet ist, lernt er schnell hinzu.
Seine unentwegt gute Laune, sein Freigeist und das Fehlen jeglicher political correctness führen bald dazu, dass sich Philippe wieder mitten im Leben befindet.

Somit ist "Ziemlich beste Freunde" hauptsächlich ein absolut fröhlicher Film mit sehr berührenden Momenten, in denen auch die Hilflosigkeit Philippes aufgrund dessen Querschnittslähmung deutlich wird. Selbst bei den kleinsten Dingen auf fremde Hilfe angewiesen sein müssen - das ist ein hartes Los. Umso wichtiger ist, dass man sich auf sein Umfeld verlassen kann. Und während seine reiche Familie natürlich "nur das Beste" für ihn möchte und ihn entsprechend vor Driss - dem Vorbestraften - warnt, ist es doch Driss, der Philippe wieder den Funken Lebensfreude schenkt, den dieser braucht, ob nun mit Hilfe von Joints oder ner Ohren streichelnden Nutte *lach*.

Dass der Film dabei nie pathetisch wirkt, in den Regisseuren zu verdanken. So unkompliziert und entspannt wird selten in der Kinogeschichte mit Behinderungen umgegangen. Dass man aber geradazu in Liebe zu beiden Protagonisten entflammt, ist den fantastischen Schauspielern geschuldet. Der mir bisher unbekannte Omar Sy als Driss ist ein Quell guter Laune und in jeder Sekunde einfach nur liebenswert. Wenn seine Augen strahlen, dann scheint im Kino die Sonne. Und François Cluzet als Philippe hat erst vor einigen Monaten sein großes Talent bewiesen in der Rolle des Max in "Kleine wahre Lügen". Auch hier kommt er wieder bewundernswert realistisch rüber und muss dabei noch gegen die Schwierigkeit ankämpfen, ohne Gestik auskommen zu müssen. Aber schaut man in Cluzets Gesicht, dann bedarf es nicht vieler Worte, um seine Gefühle auszudrücken, ein Lächeln, ein Blick - reicht.
Erwähnenswert ist aber auch Anne Le Ny als Yvonne, die als gute Seele Yvonne die Hausgemeinschaft zusammenhält und ein gewisses Maß an Würde ausstrahlt.

Fazit: Schlichtweg ein Sonnenschein von einem Film. Durchdacht, berührend und lebensbejahend - und dabei noch toll gespielt.

Ziemlich beste Freunde ("Intouchables", F2011) - dt. Synchronfassung
R+B: Olivier Nakache und Eric Toledano
K: Mathieu Vadepied; M: Ludovico Einaudi
D: François Cluzet, Omar Sy, Anne Le Ny, Audrey Fleurot, Clotilde Mollet, Alba Gaïa Kraghede Bellugi, Cyril Mendy, Christian Ameri, Grégoire Oestermann, etc.
Genre: Komödie
FSK: ab 6 J.
Länge: 112 Min.

9v10
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