safehouseDer aufstrebende CIA Agent Matt Weston langweilt sich in Kapstadt. Dort leitet er seit 12 Monaten ein Safe House, ohne dass sich dort auch nur einmal etwas tun würde. Dann ändert sich die Situation schlagartig, der seit langem gesuchte Ex CIA Agent und Landesverräter Tobin Frost wird dort zum Verhört eingeliefert. Frost hat sich selbst im US-Konsulat Kapstadts gestellt - auf der Flucht vor anderen Verfolgern schien ihm dies die einzige Option zu sein. Doch seine Feinde finden ihn auch im Safe House, und Frost kann nur gemeinsam mit Weston fliehen, der ihn - ganz nach CIA Standardprozedur - im nächsten Safe House unterbringen will, doch ihre Verfolger bleiben ihnen auf den Fersen ...


"Safe House" ist ein ganz vorzügliches Beispiel, wie man mit Hilfe eines gut ausgewählten Songs im Trailer (der im Film im Abspann auftaucht) und gut geschnittenen Szenen einer eigentlichen 08/15 Story ein Maß an Coolness verpassen kann, dass ich den Film unbedingt sehen wollte. Zur Info: Das Stück heißt "No Church In The Wild" und ist von Jay-Z & Kanye West ft. Frank Ocean, und der Film dazu ist leider nicht mal halb so gut.

Ich bin echt ein bisschen enttäuscht. Nach dem für europäische Verhältnisse sehr gelungenem "Easy Money" hat Regisseur Daniel Espinosa in "Safe House" offenbar buchstäblich auf Sicherheit gesetzt und sich eine Story gesucht (Autor: David Guggenheim), die von Sekunde eins an völlig vorhersehbar ist und bei der es an allen Ecken und Enden an Logik fehlt. Sympathisch ist dabei zumindest, dass man auch nicht vorgibt, mehr zu sein, sondern das bisschen Handlung mit zugegebenermaßen gut gemachten Actionszenen unterhaltsam fürs Publikum aufbereitet. Langweilig wird es immer nur dann, wenn man das Gefühl hat, wieder einmal einer nicht endenwollenden sinnlosen Ballerei beizuwohnen.
Insofern hat Espinosa aus dem vorhandenen Material vermutlich noch das Beste herausgeholt, das gilt im Übrigen auch für die Schauspieler, die ich allesamt sehr enttäuschend fand. Lustig die Beschreibung bei SpiegelOnline, in der von Denzel Washington geschwärmt wird, der "in der Rolle des alternden Agentenveteranen mit Ohrring und zweifelhafter Moral offenbar den Spaß seines Lebens hatte". Ähem, haben die "Training Day" gesehen? Oder "American Gangster"? Dagegen ist Washington hier handzahm, die Raubtierzähne hat er zuhause gelassen und spielt permanent mit angezogener Handbremse. Eigentlich möchte man ihm in die Wange knuffen. Und Ryan Reynolds hangelt sich mit Welpenblick durch die Szenerie, und das wird immer schwieriger für ihn, weil er langsam nicht mehr wirkt, als wäre er Anfang 20. Man hat mittlerweile einen erwachsenen Mann vor sich, der aber irgendwie dauernd wie ein kleiner Junge, den Mutti gerade ausgeschimpft hat, in die Kamera guckt. Ich mag ihn grundsätzlich und bin auch nach wie vor der Meinung, dass er was drauf hat, aber mit solchen Rollen tut er sich keinen Gefallen. Wenn irgendwann mal in Hollywood wieder Tabula Rasa gemacht wird und man die vor 5-6 Jahren aufgetauchten vielversprechenden Nachwuchsdarsteller bis auf eine kleine Gruppe von Leuten aussiebt, die sich langfristig in der A-Liga Hollywoods etablieren können, dann wird man von Reynolds nicht mehr viel sehen, da bin ich mir jetzt schon sicher.
Daneben gibt's noch die wunderbare Vera Farmiga und den göttlichen Brendan Gleeson, die aber beide in "Safe House" so dermaßen verbraten werden, dass es eine Schande ist. Ihre Rollen sind nicht mal Klischees, sondern eher Schatten von Klischees, gilt übrigens auch für Liam Cunningham *seufz*.

Wirklich gefreut hab ich mich eigentlich nur darüber, dass Espinosa seinem Hauptdarsteller aus "Easy Money" - Joel Kinnaman - eine kleine Rolle verpasst hat, dem würde ich einen internationalen Durchbruch ja sehr gönnen, in den nur wenigen Momenten, die er im Film zum Ende hin auftaucht, bringt er mehr Ausstrahlung rüber, als Reynolds im ganzen Film.

Fazit: Das Geld fürs Kino kann man sich sparen. Als kleiner Actioner für zwischendurch und zuhause ist "Safe House" ganz akzeptabel, immerhin gibt es einige gelungene Verfolgungsjadgen, aber Story und Schauspieler konnten mich nicht überzeugen.

Safe House (USA 2012) - dt. Synchronfassung
R: Daniel Espinosa; B: David Guggenheim
K: Oliver Wood; M: Ramin Djawadi
D: Denzel Washington, Ryan Reynolds, Brendan Gleeson, Vera Farmiga, Sam Shepard, Joel Kinnaman, Rubén Blades, Nora Arnezeder, Robert Patrick, Liam Cunningham, Fares Fares, etc.
Genre: Action, Thriller
FSK: ab 16 J.
Länge: 115 Min.

5v10
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