MysteriousIslandSean Anderson trauert noch um seinen verstorbenen Onkel, mit dem er den von Jules Verne beschriebenen Mittelpunkt der Erde entdeckt hatte und der aus dem Jungen einen gläubigen Vernianer gemacht hat. Mit seinem Stiefvater Hank versteht sich Sean nicht gerade gut, doch als er ein Funksignal von einer mysteriösen Insel im Pazifik erhält, muss er notgedrungen mit Hank zusammenarbeiten, der bereit ist, den Jungen zur Insel zu begleiten, die dahinter das Eiland aus dem bekannten Jules Verne Roman vermutet. Sie fliegen mit dem Hubschrauberpiloten Gabato und dessen selbstbewusster Tochter Kailani in den Südpazifik, wo sie nach einem heftigen Unwetter über einer einsamen Insel abstürzen. Die entpuppt sich nicht nur als verlorenes Atlantis, sondern auch als Unterschlupf von Seans Großvater.


Ich mochte den ersten Film "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde" mit Brendan Fraser als Vernianer ganz gerne. Das war sicher kein großer, filmischer Wurf, aber als Familienfilm völlig okay, witzig und noch mit einem Hauch von Charme.
Genau, die ersten ahnen schon, worauf ich hinaus will: In dieser Fortsetzung fehlt leider vor allem eines - Charme. "Die Reise zum Mittelpunkt der Erde", die diesmal den Teenie Sean - gespielt von Josh Hutcherson, der ja mittlerweile einen totalen Lauf hat - in den Mittelpunkt rückt, kann zwar mit namhaften Darstellern punkten. Neben Hutcherson gibt's Teenie-Darling Vanessa Hudgens in knappen Klamotten, während mich eher Dwayne Johnson und Michael Caine gereizt haben. Johnson mimt den neuen Stiefvater von Sean, es wird kaum drauf eingegangen, was mit Seans Onkel (im ersten Teil Brendan Fraser) passiert ist, aber gut, das ist auch nicht nötig, da es außer den "gläubigen Vernianern" keinen roten Faden gibt, der beide Filme miteinander verbindet.
Insofern kann man "Die Reise zur geheimnisvollen Insel" auch einfach für sich genommen sehen.

Schauspielerische Glanzleistungen sind nicht zu erwarten, nicht mal von Michael Caine, dafür haben die CGI-Animateure und Graphiker gute Arbeit geleistet und sorgen mit ihren Bildern dafür, dass dem Zuschauer wenigstens hin und wieder ein "Ah" und "Oh" entfleucht. Auch die 3D-Effekte sind gut eingesetzt.

Storytechnisch hat man aber das Gefühl, dass sogar die Nic Cage "Das Vermächtnis der..."-Produktionen weniger konstruiert sind, als das, was man hier unter der Regie von Brad Peyton zu sehen bekommt. Natürlich versucht man, ein kindlich-jugendliches Publikum anzusprechen (in dieser Hinsicht wird auch mit dem moralischen Zaunpfahl nicht gegeizt), deswegen sollte man aber nicht glauben, dass die keine Fragen stellen. Ich verweise auf den kleinen Jungen eine Reihe vor mir, geschätzte 8 Jahre alt, der seine Mutter fragte, wie es denn sein könne, dass die Insel im 140 Jahre Zyklus aus dem Pazifik auftaucht, und dann wieder überschwemmt wird, die Bauten aus uralten Zeiten noch intakt sind, während sie aber diesmal beim Versinken unter der Wasserwucht kaputt gehen. Ich hab wirklich so lachen müssen, als ich das hörte. Da sitzt ein kleiner Bengel und lässt sich halt schon im Kindesalter von den Machern nix vormachen, sehr schön.
Abgesehen von dieser erwähnten Szene, gibt es noch viele viele andere Logiklöcher, über die man sich nicht den Kopf zermartern darf.

Nun bin ich immer bereit, über Storymängel hinwegzusehen, wenn der Rest stimmt und der Film zumindest gute und spaßige Popcorn-Unterhaltung bietet. Aber auch die kommt zu kurz, ich konnte mich während der gut 90 Minuten des Eindrucks nicht erwehren, einen TV-Film zu sehen, der irgendwie nie so richtig die Kurve kriegen will. Alles plätschert so dahin, immer findet sich in der kleinen Gruppe einer, der in einer bestimmten Situation die passende Lösung hat, Spannung kommt kaum auf, und selbst die wenigen Lacher, die Dwayne Johnson auf seiner Seite hat, können das Gesamtbild nicht verbessern.

Fazit: Ach, wenn man ein paar hübsche Bilder sehen möchte, kann mans gerne auf DVD versuchen. Zum Kinobesuch rate ich allerdings nicht, zumal der zumindest in den Berliner Kinos glaube ich nur in 3D läuft und damit einfach zu teuer ist, als dass man sich die zur Schau gestellte Mittelmäßigkeit antun will.

Die Reise zur geheimnisvollen Insel ("Journey 2: The Mysterious Island", USA 2012) - dt. Synchronfassung, 3D
R: Brad Peyton; B: Brian & Mark Gunn, Richard Outten - nach den Motiven von Jules Verne
K: David Tattersall; M: Andrew Lockington
D: Josh Hutcherson, Vanessa Hudgens, Dwayne Johnson, Michael Caine, Luis Guzmán, Kristin Davis, etc.
Genre: Abenteuer, Fantasy, Familie
FSK: ab 6J.
Länge: 94 Min.

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