DieAnonymenRomantikerIn der Herstellung verführerischer Schokoladenkreationen ist Angélique sehr erfinderisch, doch wenn es darum geht, jemanden anzusprechen, fällt sie auch schon mal in Ohnmacht. Während sie in einer Selbsthilfegruppe Trost sucht, versucht ihr neuer Chef seine Hemmungen in therapeutischen Einzelsitzungen zu überwinden. Das Zusammentreffen der beiden und die unerwartete Zuneigung ist für die liebenswerten Neurotiker eine große Herausforderung, der sie sich mit unkonventionellen Mitteln annehmen und dabei ein ganz persönliches Rezept für die Liebe entwickeln.


Im vergangenen Sommer lief diese bezaubernde, romantische Komödie in den deutschen Kinos und konnte die Kritiker und ein ausgewähltes Publikum überzeugen. Obwohl Romantik hier natürlich eine große Rolle spielt, ist der deutsche Verleihtitel ein wenig irreführend. Die beiden Hauptprotagonisten sind in erster Linie hypersensitiv und haben Angst vor dem Leben an sich.

Bei der süßen Angélique zeigt sich das, in dem sie Angst vor der Öffentlichkeit hat, lieber heimlich als schon legendärer "Eremit" einen großartigen Ruf als Chocolatier genießt und die Lorbeeren von anderen einheimsen lässt, als sich selbst im Rampenlicht zu präsentieren. Sie singt ihre kleinen Motivationslieder, um sich in schwierigen Situationen die nötige Courage anzueignen, während der Fluchtimpuls ansonsten ihr Leben regiert. Doch Angélique träumt auch von der Liebe, und ihr Job als Chocolatier ist ihre größte Leidenschaft. Sie geht regelmäßig zur Selbsthilfegruppe der "Les émotifs anonymes".
Ausgerechnet sie trifft nach einem Jobwechsel auf ihren neuen Chef Jean-René, der verzweifelt versucht zu überspielen, dass er die gleiche Angst vor dem Leben hat wie sie. Auch für ihn ist Flucht immer die erste Wahl, zudem hat er Angst von menschlicher Intimität - sei es nur ein Händedruck. Zwischen beiden stimmt die Chemie sofort, und Jean-Renés Psychotherapeut stellt ihm nun Aufgaben, kleine Schritte, die er auf zwischenmenschlicher Basis gehen muss, und so kommen sich die beiden langsam näher...

Wie bei allen romantischen Komödien ist natürlich von vornherein klar, wie der Film endet, und wie immer ist der Weg das Ziel. Es ist einfach herzerwärmend, diesen beiden Menschen, die so linkisch miteinander umgehen, zuzusehen, wie sie gegen allerlei selbstauferlegte Widerstände zueinanderfinden. Woody Allen hätte eine wahre Freude an den beiden Neurotikern. Inwieweit das wirklich realistisch dargestellt ist, sei mal dahingestellt, der Film soll ja keinen Exkurs in menschliche Neurosen darstellen. Regisseur Jean-Pierre Améris hat diese kleine Geschichte liebevoll in Szene gesetzt, in warmen Farbtönen und einer Bildersprache, die an "Amélie" oder "Odette Toulemonde" erinnert. Die Musik von Pierre Adenot in ist ihrer Leichtigkeit ebenfalls positiv zu erwähnen.

Die beiden Hauptdarsteller Isabelle Carré und Benoît Poelvoorde leben ihre Figuren und sorgen dafür, dass man als Zuschauer aus dem Lächeln nicht mehr raus kommt.

Fazit: Feel Good Movie, ein Film zum Verlieben. Und dazu noch kurz und knackig ohne Längen in 80 Minuten erzählt.

Die Anonymen Romantiker ("Les émotifs anonymes", B/F 2010) - dt. Synchronfassung
R: Jean-Pierre Améris; B: Jean-Pierre Améris, Philippe Blasband
K: Gérard Simon; M: Pierre Adenot
D: Benoît Poelvoorde, Isabelle Carré, Lorella Cravotta, Lise Lamétrie, Swann Arlaud, Pierre Niney, Stéphan Wojtowicz, Jacques Boudet, Alice Pol, Céline Duhamel, Philippe Fretun, Grégoire Ludig, Philippe Gaulé, Joëlle Séchaud, etc.
Genre: Liebe, Romantik, Komödie
FSK: ohne Altersbeschränkung
Länge: 80 Min.

8v10
Eine zweite Meinung gibts bei Filmstarts.de