TürkischfürAnfängerNachdem ihr Urlaubsflieger im indischen Ozean notlanden musste, verschlägt es die verknöcherte, 19jährige Lena, den Machotürken Cem und seine traditionsliebende Schwester Yağmur sowie einen stotternden Griechen auf eine einsame Insel. Insbesondere zwischen Cem und Lena schlägt sofort der Blitz ein, und die zwei streiten sich wie die Kesselflicker, während ihre jeweils alleinerziehenden Elternteile sich im sicheren Luxusresort näher kommen...


Hab ich's also doch endlich geschafft. Ich mochte die ARD Vorabendserie "Türkisch für Anfänger" - mitreißend geschrieben von Bora Dağtekin und hinreißend gespielt vom kompletten Ensemble - damals sehr gerne. Auch wenn Sendezeit und meine Arbeitszeiten selten zueinander fanden und ich somit immer nur hin und wieder einschalten konnte. Von Kritikern geliebt, von Zuschauern immer häufiger mit Nichtachtung gestraft, war der Serie kein langes Leben beschieden, drei Staffeln bester und - im Hinblick auf die ARD - atypischer öffentlich-rechtlicher Unterhaltung, in der mit allen Klischees gespielt wird, die das Zusammenleben von Deutschen und Migranten so hergeben. Tja, dem stehen wie viele Staffeln "Alarm für Cobra 11" gegenüber? *lach* Okay, unsinnig, sich darüber zu ärgern.

Wie dem auch sei, die Idee, daraus einen Kinofilm zu machen, kommt für meine Begriffe erstaunlich spät. Irritierend ist auch, dass man mit gleichem Ensemble alles unter anderen Voraussetzungen neu erzählt, anstatt einfach da weiterzumachen, wo die Serie aufgehört hat. Das kann man auch so erzählen, ohne dass die Seriennichtgucker Verständnisprobleme hätten.
Ein Problem sehe ich auch im Alter der Protagonisten, Josefine Preuß als Lena beispielsweise, die immer noch unglaublich niedlich ist, wirkt aber mittlerweile deutlich reifer als 19 Jahre. Aber darüber lässt sich noch hinwegsehen.

Was mich viel eher gestört hat, ist dass der Charme der Serie etwas flöten gegangen ist. Der Film ist lollipopbunt und in jeder Hinsicht laut, während die Serie, in der die Eigenschaften der Charaktere ebenfalls völlig überzeichnet waren, auch ein gewisses Maß an subtilem Humor enthielt. Da durfte man auch mal zwischen den Zeilen schmunzeln, in der Kinoadaption jedoch wird der Witz ausschließlich mit dem Holzhammer präsentiert. Und eine Darstellerin wie Josefine Preuß geht da irgendwie unter, sie zieht hauptsächlich ne Schnute, und ihre Gags haben immer irgendwie Bütt-Charakter. Dagegen wirken Elyas M'Barek als Klischeetürke Cem und die wunderbare Pegah Ferydoni als Cems traditionsliebende Schwester Yağmur, die leider im Fim nur als Stichwortgeberin fungiert, sehr viel geschmeidiger.
Auch Adnan Maral und Anna Stieblich können als jeweils alleinerziehende Elternteile besser punkten.
Ein kleines Highlight ist auch Katja Riemanns Cameo-Auftritt als Aussteigerin, wenn auch diese ganze Idee der "Wilden" auf der Insel mehr als peinlich ist.

Fazit: Natürlich ist "Türkisch für Anfänger" witzig, da funktionieren noch genug Gags. Aber im Vergleich zur klugen, locker-flockigen Serie stinkt der Film etwas ab und schippert eher in den Gefilden einer typischen deutschen Komödie mit Schenkelklopferhumor. Schade, da hab ich echt mehr erwartet.

Türkisch für Anfänger (D 2012)
R+B: Bora Dağtekin
K: Torsten Breuer; M: Heiko Maile
D: Josefine Preuß, Elyas M'Barek, Adnan Maral, Anna Stieblich, Pegah Ferydoni, Arnel Taci, Frederick Lau, Katharina Kaali, Katja Riemann, etc.
Genre: Komödie
FSK: ab 12 J.
Länge: 105 Minuten

6v10
Eine zweite Meinung gibts bei Filmstarts.de